Voluptuous Bad Ems?

 

Ort: Bad Ems

Zeit: 20. November - 12. Dezember 2004

 

Bilder

 

ein internationales Kunstprojekt von Pfelder durch den öffentlichen Raum Bad Ems

 

Der Hintergrund

Bad Ems, pitoreske Kurstadt mit bewegter Historie, malerisch im wild-romantischen Lahntal gelegen. Im 19. Jahrhundert war Bad Ems ein Weltbad mit prominenten Gästen vom russischen Zarenhof und aus den preußischen und sächsischen Königshäusern. Es erlebte eine Blütezeit zur Hochkonjunktur der Gründerjahre in Verbindung mit den regelmäßigen Besuchen Kaiser Wilhelm 1. Bad Ems gehörte zu den führenden Bädern Deutschlands. Politiker wie Bismarck, Bülow, Windhorst, Lasalle, Unternehmer wie Brockhaus, Buderus, Krupp und Kulturgrößen wie Dostojewski, Offenbach, Geibel, Gogol,Carl Maria von Weber und Wagner gaben sich die Klinke in die Hand. Politische Berühmtheit erlangte Bad Ems durch die sogenannte Emser Depesche, die in der Folge den deutsch - französischen Krieg 1870/71 auslöste. Gleichzeitig war Bad Ems aber auch Industriestandort mit Bergbau, Bleihütten und Fabriken, was
heute weniger bekannt ist. Kaum etwas erinnert noch an die industrielle Vergangenheit. Nach dem 2. Weltkrieg durchlief Bad Ems einen tiefgreifenden Strukturwandel. An die Stelle des Bergbaus traten Behörden als wichtigster Arbeitgeber und der Kurbetrieb verlagerte sich mehr und mehr von den alten, noblen Hotels und dem Kurhaus in die neu entstandenen Kliniken. Heute ist Bad Ems nicht mehr Weltbad. Es hat mit den Schwankungen der Konjunktur und der Gesundheitspolitik zu kämpfen. Es leidet einerseits an Abwanderung der alt eingesessenen Bevölkerung und der Jungen, bekommt anderseits einen nicht unerheblichen Zuzug deutsch-russischer Spätaussiedler. Städtebauliche Veränderungen werden ergriffen, Neubau eines Umgehungstunnels, Umgestaltung der Römerstraße und des Bahnhofs. Ein City-Marketing wurde initiiert. Die Stadt wandelt sich und versucht ihre neue Position zu finden. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt Voluptuous Bad Ems an. Zu einem Zeitpunkt des Dazwischen und der Neudefinition verortet sich die Kunst im Stadtraum von Bad Ems und spürt den Veränderungen zwischen legendärer Vergangenheit, pitoresker Erscheinung und gegenwärtiger Realität nach.

 

Das Projekt

Vier Künstler, Mohamed Abdulla (Irak), Stefan Lundgren (S), Pfelder (D) und Jan Philip Scheibe (D) werden aus ihrer persönlichen Sicht auf die vorgefundene Situation in Bad Ems reagieren und im Stadtraum künstlerisch intervenieren. Mohamed Abdulla und Pfelder aus der Innensicht und Erfahrung von 10 Monaten Stipendienaufenthalt auf Schloß Balmoral in Bad Ems, Stefan Lundgren und Jan Philip Scheibe mit dem frischen Blick von außen nach mehrtägigen Recherchen vor Ort. Sie werden sich mit der Frage nach dem Hier und Jetzt in Bad Ems auseinandersetzen. Woher kommt es, wo befindet es sich momentan und wohin mag es gehen? Es wird nicht so sehr eine Beschäftigung mit stadtplanerischen Aspekten sein, sondern vielmehr eine sensible, künstlerische Auseinandersetzung mit Atmosphäre, Möglichkeiten und Visionen, die sich situationsimmanent ergeben. Die ortsspezifischen Interventionen wirken wie Indikatoren für den Wandlungsprozeß der Stadt. Für knapp drei Wochen, vom 20. November bis zum 12. Dezember, werden die realisierten Installationen im öffentlichen Raum present und für die Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich und erlebbar sein.

 

Das Eröffnung

Die Eröffnung findet am 20. November um 16.30 Uhr statt. Zunächst versammeln sich alle Besucher vor dem Bad Emser Bahnhof, wo Mark Gisbourne, Kunsthistoriker aus London und Peter Cripps, Theaterwissenschaftler aus Berlin, die Besucher begrüßen und eine Einführung zum Projekt geben werden. Danach begeben sich alleBesucher auf eine etwa 90-minütige Tour durch Bad Ems entlang der im Stadtraum verteilten Installationen. Die Tour endet im Schützenhof, wo bereits Kaiser Wilhelm 1. speiste. In den historischen Räumen wird für alle Gäste ein voluptuous Dinner gereicht, angerichtet von Bernhard Thome, dem ehemaligen Leibkoch von Wladimir Putin. Ein original überliefertes Menü des Kaisers wird in den original Töpfen und Pfannen zubereitet und auf Schützenhof-Geschirr aus der damaligen Zeitgenossen. Der Abend wird mit voluptuous music von Sebastian Jacobi ausklingen.