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In den letzten Jahren haben in Berlin häusergroße Riesenplakatwerbeflächen einen sehr dominanten Einfluß auf unsere Wahrnehmung des Stadtbildes ausgeübt. Diese Werbeflächen sind nicht mehr zu übersehen, wir können
ihnen nicht entgehen, ob wir wollen oder nicht. Und doch existieren sie nur, weil es uns, die zufälligen Passanten, gibt. Wir bilden ungefragt und ungewollt das Kapital, auf dessen Basis diese überdimensionierte Art
der Werbung überhaupt erst funktioniert. Zunächst haben Investoren die Gelegenheit genutzt, ihre zu Sanierungszwecken eingerüsteten Häuser ertragsbringend zu nutzen und die Gerüste als gigantische Werbeflächen zu
vermarkten. Nach erfolgter Sanierung verschwanden diese Werbeflächen samt der Gerüste wieder. Inzwischen werden aber auch Häuser eingerüstet, obwohl sie gar nicht saniert werden, nur um die Fläche werbetechnisch zu
nutzen. Ja, es gibt sogar ganze „Gebäude“, die nur als Gerüstkonstruktion existieren und ebenfalls als Werbeflächen fungieren, so z.B. am Potsdamer Platz. Potemkinsche Dörfer in Berlin. Das Projekt Berlin XXL
dokumentiert fotografisch diese Neo-urbanen Riesenbilder mit aufwendigster Technik und in allerhöchster Qualität. Die Bilder entstehen mit einer 4 x 5 inch Großformatkamera und werden alle zu später Nachtstunde,
wenn kein Autoverkehr herrscht aufgenommen. Daher sind alle Aufnahmen menschenleer und auf ihnen leuchten die Werbeflächen dominant im nächtlichen Stadtraum. Präsentiert werden die 4 x 5 inch Diapositive (10 x 12,5
cm) in kleinen genau passend angefertigten Leuchtkästen. Es gibt keine Papierabzüge. Die Bilder existieren jeweils nur in einem einzigen Original, nämlich dem 4 x 5 Diapositiv. Das Projekt Berlin XXL kehrt den
Effekt der Riesenwerbeformate, die kleine Mengen an Bildinformationen ins Gigantische aufblasen, um, indem es diese Riesenformate mit höchster technischer Qualität und größtmöglicher Bildinformation auf minimalstem
Format zeigt.
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